Frühlingskräfte wecken

In den Nachrichten hatten sie für heute Sonne angekündigt. Nun sitze ich am Fenster und schaue den Regentropfen zu, die unermüdlich wie kleine Rinnsale an der Fensterscheibe hinunterfließen.

Der Himmel wolkenverhangen. Der Wind treibt sie jedoch vor sich her. Hoffnung macht sich breit, dass es doch noch ein schöner Vorfrühlingstag werden könnte.

Ich denke an meine Tante. Sie war es, die mir vor über vier Jahren zum Titel meines Workshops verhalf: Frühlingskräfte wecken! Welch treffende Überschrift!

Dem Winter den Rücken kehren und dann… Ja, in mir, in uns allen schlummert eine noch verborgene Kraft, die nun vom Sonnenschein genauso wach geküsst werden möchte, wie alles andere Leben um uns herum: die schon im letzten Jahr angelegten Knospen an den Bäumen verheißen uns, ihr grünes Blätterkleid bald auszubreiten und so, wie der Lebenssaft aus den Wurzeln emporsteigt und die Sonne mit Licht und Wärme lockt, werden auch wir spüren, dass sich in uns etwas bewegt, das uns munter werden lässt.

In dieser besonderen Zeit des Erwachens können wir unserem Körper und unserer Seele Gutes tun, sie unterstützen, den Frühling freudvoll und energiegeladen zu begrüßen.

Ich sortiere meine Gedanken und hole mein Heilkräuterlexikon hervor. Darin zu blättern bereitet mir immer wieder große Freude. Ich erinnere mich an meinen letzten Workshop zum Thema „Frühlingskräfte wecken“ auf dem Apfelhof in Hoppenrade. Viele Neugierige kamen, obwohl es ein verregneter Tag war. Wir stapften durch die nassen Felder und suchten nach Vogelmiere, Gänseblümchen, Gundermann, Taubnesseln und Giersch. Wir bereiteten uns einen wohlschmeckenden Kräuterquark zu und ließen ihn uns mit meinem selbstgebackenen Sauerteigbrot schmecken. Ich sehe noch die Begeisterung in den Gesichtern. Trotz des Regens und der nassen Schuhe waren alle froh gestimmt.

Wir können viel selber tun, um diese Kräfte in uns gerade im Frühjahr zu wecken. Die Natur schenkt uns dafür viele Zutaten: Frische Luft, zunehmendes Licht auch an trüben Tagen, Wasser, Blattgrün, (Wild-)Kräuter, Früchte, erste Salate und Gemüse…

Greifen wir zu und nehmen wahr, was um uns und mit uns gerade geschieht.

Nach dem Aufstehen ein Glas warmes Wasser mit etwas frischem Zitronensaft schluckweise trinken. Sodann nach draußen gehen, die Morgenluft tief einatmen und barfuß durch das taunasse Gras laufen. Welche Energie – die Erde trägt uns und gibt uns so viel Gutes! Dann die warmen Socken überstreifen und schwungvoll ins Bad gehen. Bei sanfter Hintergrundmusik die Haut durch Trockenbürsten durchbluten. Nach dem Duschen Kneippgüsse zur Erfrischung. Rosen- oder Lavendelöl umhüllen uns sanft. Der Duft steigt in die Nase. Nun in die Lieblingsfarben einhüllen.

In der Küche sollte aus frischem Gemüse und Obst ein Smoothie entstehen – oder doch lieber ein Müsli? Ich horche in mich hinein: Was würde mir jetzt in diesem Moment guttun? Haferprodukte gehören zu meinen absoluten Lieblingslebensmitteln. Sie nähren uns und geben uns genau die Kraft, die wir nach einem langen Winter brauchen, um wieder freudvoll in den Tag zu starten. Zubereitet mit etwas heißem Wasser und Zimtpulver zum Wärmen von innen. Ich erlaube mir einen Esslöffel feinster Sahne dazu und rasple mir einen Apfel hinein. Darüber noch ein paar gehackte Nüsschen und schon beginnt der wärmende Genuss. Mehr braucht es nicht um mit einem Lächeln beim Frühstück zu sitzen.

Was passt noch zu einem gelungenen Start in den Tag und trägt mich auch durch einen stressigen Arbeitstag? Auch hier finde ich die Antwort im Hafer. Ich koche mir einen „Grünen Hafertee“ – Hafer wirkt auch gegen Stress, in diesem Tee ist weiterhin Brennnesselkraut, so dass ich gleich noch Gutes für meine Nieren, Bindegewebe, Haut, Haare und die Gelenke trinke. Der Smoothie darf noch warten: Lieber vor dem Mittagessen, dann ist mein Magen eher bereit, etwas kühles Rohköstliches zuzulassen.

Im Smoothie vereinen sich der erdige Geschmack eines sommerlichen Gartentages mit der leichten Frische von italienischen Zitronen und peruanischem Ingwer. Das gibt den Mega-Kick und ich spüre, wie Energie durch meinen Körper fließt. Jetzt ist die Zeit fürs Mittagessen gekommen und da dürfen die beta-carotinreichen Gemüsesorten nicht fehlen. Ist es doch dieser Stoff, der unsere Haut gegen die Sonne etwas unempfindlicher macht. Die Märzsonne hat eine ungeheure Kraft, so dass ein längeres Sonnenbad um die Mittagszeit die Haut schon strapazieren kann.

Nach der Mittagspause ist es nicht nur für die Verdauung und unser Herz-Kreislauf-System wichtig, sich durch einen Spaziergang zu erfrischen, sondern diese kleine Auszeit trägt uns auch durch den Rest des Tages. Wenn wir achtsam sind, finden wir am Wegesrand schon die ein oder andere Blüte, die sich zum Licht reckt. Winterlinge, Blausternchen, Schneeglöckchen und die gelben Blüten des Scharbockskrauts grüßen uns.

Zurück am Schreibtisch ist es dann schön, sich mit einer Tasse Kaffee oder Tee zu verwöhnen. Wer gerne dazu nascht, dem sei geraten, es vielleicht einmal mit ein paar Nüssen oder einem Stück Bitterschokolade zu versuchen. Zucker würde uns hier nur einen kleinen Energiekick geben, der uns bereits nach kurzer Zeit in ein tiefes Loch fallen ließe, was da heißt: MEHR Zucker. Und schon befinden wir uns in einer Spirale, die uns wieder die Energie raubt.

Wenn sich dann der Tag neigt und die Dämmerung aufsteigt, schleicht sich leichte Müdigkeit heran. Wir sollten unser Tagewerk beschließen und uns der Zubereitung einer wärmenden Mahlzeit widmen. Etwas mit Eiweiß wäre gut – es hilft uns beim Muskelerhalt und Muskelaufbau. Um unseren Säure-Basen-Haushalt aber im Gleichgewicht zu halten, brauchen wir dazu viel Gemüse.

Das Schnippeln von Pastinake, Lauchstange und Fenchel geht mir leicht von der Hand. Neben mir köchelt das Wasser mit einer Prise Salz zum kurzen Blanchieren. Eine kleine Auflaufform wird leicht mit Butterschmalz eingefettet. Das abgetropfte Gemüse schön darin drapiert. Verschiedene Kräuter kleingehackt darauf verteilt und schon fühle ich mich wieder wie an einem Sommerabend…jetzt noch die Mozzarellakugel in Scheiben auf dem Gemüse verteilen und alles in den Backofen schieben. Hm…wie das duftet. Während im Backofen der Käse langsam schmilzt und erste braune Blasen zu sehen sind, röste ich Pinienkerne in der Pfanne leicht an. Sie sind das I-Tüpfelchen auf dem Gemüseauflauf. Das Wasser läuft mir im Munde zusammen. Ich schaue erneut aus dem Fenster.

Und während ich noch hier sitze und schreibe lugt plötzlich die Sonne durch die Wolkendecke. Nun aber hurtig Laptop zugeklappt, Schuhe an und ab nach draußen, wenigstens 20 Minuten schnellen Schrittes durch die frische Luft, im hellen Licht über die grüne Wiese laufen. Da ist sie, die Lust aufs Frühlingskräftewecken!

Carola Böhm wurde an der Akademie für gesundes Leben in Oberursel zur Gesundheitsberaterin (IHK) ausgebildet. Seitdem hat sie sich immer wieder fortgebildet, um ihre Klient:innen und Gäste kenntnisreich zu einem gesünderen und vor allem präventiven Lebensstil zu motivieren.
Sie lädt mehrmals jährlich zu verschiedenen Workshops und Kursen ein, berät in Einzelgesprächen und zeigt auf Märkten und Festen wie man köstliche Säfte und Smoothies aus saisonalem und meist regionalem Obst und Gemüse selber herstellen kann.

Näheres zu ihrer Arbeit unter www.avenavitalis-boehm.de

Carola Böhm, Gesundheitsberaterin

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