Sommerfest mit kahnfahrenden Vögeln, Aufbrüchen und Galettes

Sturm und Regen hielten die Netzwerkfrauen nicht davon ab, Ende August zum Sommerfest in den Norden Oberhavels zu kommen. Endlich wieder ein echtes Treffen, wenn auch mit den üblichen Corona-Regeln, dafür aber mit Gästen, inspiriert vom Workbook.

Dialog zwischen Fläche und Raum

Im Künstlerhof Roofensee im Stechliner Ortsteil Menz führte uns Verena Siol durch die noch bis 13. September 2020 laufende Ausstellung „Dialog zwischen Fläche und Raum“. Zu sehen ist außer ihren keramischen Objekten Malerei von Monika Heintze. Verenas schlichte Gefäße und Plastiken, mit organischen Texturen und Oberflächen in Steinzeug gebrannt, haben nicht zuletzt durch ergebnisoffene Brennverfahren eine individuelle Geschichte. In der Zeit des Lockdown entstand beispielsweise das Objekt mit kahnfahrenden Vögeln, Assoziationen zur Flüchtlingskrise und zur Gegenwart flossen ein.

FrauenOrt Zernikow

Weiter ging’s nach Zernikow. In der im 13. Jahrhundert erbauten Barockkirche, heute als FrauenOrt gewürdigt, wandelten wir auf den Spuren einer leidenschaftlichen Unternehmerin: Gutsherrin und Stifterin Caroline Marie Elisabeth von Labes (1730-1810). Aufmerksame Leser*innen sind ihr im Netzwerkmagazin 2016 bereits begegnet. Manuela Röhken empfahl als ergänzende Literatur „Der grüne Baum des Lebens“ von Clara von Armin.

Galettes zwischen Aufbruch und Abbruch

Bevor wir den Abend in der Crêperie Bric à Brac im benachbarten Gut ausklingen ließen, besichtigten wir in der Alten Brennerei die bemerkenswerte Fotoausstellung „Zwischen Aufbruch und Abbruch“ von Jürgen Graetz, die in der Zeit 1989/90 entstand und Berliner Impressionen zeigt, die heute so nicht mehr festgehalten werden könnten. Was wir auch gelernt haben: Galettes nach bretonischem Vorbild sind eine Art herzhafte Crêpes. Lecker und gesund.

Das Pläneschmieden für die nächsten Monate hatte trotz des straffen Programms gar nichts Stressiges.

Für Interessierte ergänzen wir hier die Angaben zum titelgebenden Werk von Verena Siol. Es heißt: „Die Arche der Vögel oder wie weit ist das Mittelmeer?“ (Rauchbrand, Metalloxide, Wachs, Breite 65 cm).

Bereits seit längerer Zeit beschäftigt sie sich mit den Veränderungen in der Natur: „Besorgt höre ich Nachrichten über den Rückgang der Artenvielfalt, zerstörte Lebensräume für Mensch und Tier, den unfassbaren Zusammenhang auf das weitere Leben auf der Erde.“

Exemplarisch stellt sie bei zwei Arbeiten der Ausstellung den Vogel in den Mittelpunkt. Eine Serie ist geplant. Warum? „Vögel werden in ihrer Existenz bedroht. Insektensterben, aggressive Agrarwirtschaft, Technik in Form von Windkraftanlagen, Transportwesen sind nur einige Ursachen.“ Nach Angaben des Nabu ist allein in Deutschland in den letzten zwölf Jahren der Verlust von 12,7 Millionen Vogelbrutpaaren ermittelt worden.

In der Umsetzung ergaben sich im Objekt „Die Arche der Vögel“ weitere Blickwinkel und Zusammenspiele wie Flucht, Fremdheit, Entfremdung und Entwurzelung. Daher der zweite Titel.

Das Objekt ist käuflich und Verena Siol würde sich freuen, wenn viele Menschen dessen Wirkung erspüren könnten.  „Als mögliche*n Käufer*in sehe ich einen öffentlicher Träger, ein Umweltbüro oder ähnliches.“

Text und Fotos: Dagmar Möbius

Der Blick unserer Gäste hier.