Sozialarbeit mit Herz – Tag des Ehrenamtes beim MSV

Corona-bedingt konnte das September-Treffen nicht offiziell angekündigt werden. Am lokalen Tag des Ehrenamtes 2020 trafen sich fünf aktive Netzwerkfrauen mit Gabriela Wolff. In der Oranienburger Geschäftsstelle gab uns die Geschäftsführerin des Märkischen Sozialvereins einen Überblick über die Tätigkeit des gemeinnützigen Vereins.

„Wir haben viel mit Frauen und Frauenangelegenheiten zu tun“, umriss sie zu Beginn die Schnittstellen zum Unternehmerinnen-Netzwerk. Und: „Über das, was Frauen leisten, wird zu wenig gesprochen.“ So ist nicht nur ein Großteil der gegenwärtig 70 Mitarbeitenden weiblich – auch die zahlreichen Beratungsangebote und/oder Selbsthilfegruppen werden intensiv (aber selbstverständlich nicht nur) von Frauen genutzt.

Die große Kunst der Sozialarbeit

„Unsere große Kunst in der sozialen Arbeit ist, wertefrei mit allen Problemen umzugehen“, sagte Gabriela Wolff. Die reichen von Hilfen zur Erziehung und Frauenberatung über rechtliche Betreuung, Schuldner- und Insolvenzberatung bis Teilhabeberatung, Präventionsangebote oder alltagsunterstützende Leistungen. Mehr als 100 Selbsthilfegruppen begleitet der Märkische Sozialverein in Oberhavel. Für einige Angebote kommen Menschen aus benachbarten Landkreisen angereist. Wesentliche Schwerpunkte bilden die Beratung und Betreuung pflegender Angehöriger. 15.000 Stunden pro Jahr werden allein dafür erbracht. Mehr als 80 ehrenamtlich Tätige betreut der Verein. Dafür wünscht sich die Geschäftsführerin mehr Wertschätzung und mehr Mittel.

Neutral, aber von der Politik bezahlt

Der Kampf um stabile Finanzen begleitet sie seit Gründung des Vereins, der 2021 sein 30-jähriges Jubiläum feiern wird. „Die heutige Fördersumme ist fast die gleiche wie vor drei Jahrzehnten“, berichtete Gabriele Wolff. Förderungen erfolgen stets nur für ein Jahr, das bedeutet regelmäßige Antragstellungen.

Sie ist dankbar für jede Unterstützung (größter Geldgeber ist der Landkreis Oberhavel) und weiß: „Wir sind als Verein politisch neutral, aber wir werden von der Politik bezahlt. Bestimmte Dinge können wir einfach nicht beeinflussen.“ Der Satz offenbart Diskrepanz-Potenzial. Doch die 60-Jährige klagt nicht. Viel lieber erzählt sie, was gut läuft und was sie mit ihrem Team vorhat.

Finanzierung ist Dauerthema

Unser Anliegen ist „Sozialarbeit mit Herz“, fasste Gabriele Wolff zusammen. „Man kann nicht alles 1:1 in Geld übersetzen.“ Dennoch bleibt Geld ein Dauerthema. Für uns überraschend: Das Frauenhaus ist auch dank vieler Spenden momentan nicht das Sorgenkind des Märkischen Sozialvereins. Die Finanzierung von spezialisierten Beratungsangeboten, vor allem die branchengerechte Bezahlung der Berater*innen, sowie die Bedarfe im Bereich Hilfen zur Erziehung, aber auch die langfristige Organisation einer Nachfolgeregelung stehen auf der Agenda der MSV-Geschäftsführerin.

Das Netzwerk Unternehmerinnen in Oberhavel und der Märkische Sozialverein wollen zukünftig projektbezogen kooperieren. Über Näheres informieren wir rechtzeitig.

Text + Foto: Dagmar Möbius

Gabriela Wolff (links) informierte die teilnehmenden Unternehmerinnen mit einem Kurzfilm über die Arbeit der Frauenberatung des Märkischen Sozialvereins.

Seit 1986 wird auf Beschluss der Vereinten Nationen (UN) in jedem Jahr der 5. Dezember als Internationaler Tag des Ehrenamtes begangen.

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