Mit dem Essen spielt man nicht!

Verständnis für den ökologischen Kreislauf gewinnen

Mit dem Essen spielt man nicht

Klar doch! Früher ging es darum, Nahrung zu sich zu nehmen und satt zu werden. Die Zeit, aus der dieser Spruch stammt, war von harter Arbeit fürs tägliche Brot geprägt. Nahrung wurde als wertvoll erachtet, weil sie das Überleben sicherte. Alle essbaren Teile von Tier und Pflanze, die man selbst herangezogen hatte, wurden verarbeitet.

Mutter Natur bot zusätzlich einen reich gedeckten Tisch von der Lindenblüte über die Holunderbeere bis zur Haselnuss; alles um den die langen Wintermonate zu überstehen. In den kalten Monaten wurde geschlachtet. Das Fleisch verdarb nicht so schnell und konnte haltbar gemacht werden. Wenn die Feldarbeit getan war, die Erntezeit vorbei, hatten die Menschen Zeit zum feiern.

Hochzeit im Winter

Deshalb wurden Hochzeiten oft erst im November oder Dezember gefeiert, denn nun konnten die einhundertzwanzig Hochzeitsgäste aus dem Dorf verköstigt werden. An diesen Festtagen wurde reichhaltig gefeiert und noch reichhaltiger gegessen.

Das Hochzeitspaar und die ganze Gesellschaft nahm die unbefestigte Dorfstraße zur Schmuddelwetterzeit in Kauf. Fotos aus dem Familienalbum zeugen von schlammverschmiertem Schuhwerk, verregnetem Schleier und hochgestecktem Hochzeitskleidsaum. Heute bleiben die Sommermonate bevorzugte Hochzeitsmonate. Es geht nicht mehr ums Essensangebot aus dem Vorratskeller.

Mit dem Essen spielt man nicht!

Im Kindergarten bastelten meine Kinder Nudelketten und malten die Nudeln bunt an. Nicht mehr zum Verzehr geeignet. Ich blieb ohne Verständnis zurück. Das Freizeitangebot Zuckerbonbonketten um den Hals zu binden und stundenlang die süßen knallharten Bonbons abkauen – wer hat sich sowas ausgedacht? „Mit dem Essen spielt man nicht“, hatte ich gelernt. Aufessen, nichts auf dem Teller übrig lassen, stammt auch noch aus dieser Zeit. Machen wir das beste aus den Erfahrungen der Altvorderen und unserem heutigen Erleben.

Kinder probieren Vieles aus, wenn sie das Angebot erhalten. Ich konnte meinen Kindern anbieten, Erfahrungen mit allen Sinnen zu erleben. Eine gewisse Art der Verschwendung beim Ausprobieren verstehe ich als Erfahrungen einsammeln. Die begleitende Aufgabe für die Großen bleibt es, gemeinsam mit den Kindern die Zusammenhänge auch im ökologischen Rahmen wahrzunehmen und zu verstehen.

Oder doch?

Als Kräuterpädagogin irritiert mich der Anblick von Birkenwasser im Tetrapack. Welche Gedanken gehen dir als Kund:in und Käufer:in durch den Kopf? Wie stellst du dir den Herstellungsprozess und die Ernteverfahren vor? Ist dir der Produktionsstandort vertraut?

Wer die Möglichkeit hat, kann sich gerne ausprobieren und die essbaren Wildpflanzen und die ökologischen Kreisläufe vor der eigenen Haustür spielend kennenlernen.

Buche einen Kochkurs mit essbaren Wildpflanzen bei mir. Mit dem Essen zu spielen wird hier zum Workshop-Programm. Mit einem selbst gekochten wilden Fünf-Gänge-Menü erleben wir gemeinsam einen Augen- und Gaumenschmaus.

Lindenblätter statt Pappteller

Bei dem Wort Augenschmaus fällt mir der Begriff der essbaren Dekoration ein. Dekoration bleibt nach dem Essen meist auf dem Teller liegen. Hübsche Dekoration wird nicht als Teil der Mahlzeit verstanden, bleibt auf dem Tellerrand liegen und landet somit im Abfall. Ob es sich um das übliche Petersilienzweiglein, die Orangenscheibe oder eine Kapuzinerkressblüte handelt: Normalerweise ist alles essbar, was auf dem Teller landet. Ich werbe für dein Verständnis, Dekoration als Teil des Essens zu verstehen. Die Blüte oder das Zweiglein wird als eine eigene Vorspeise zelebriert. Mit Liebe angerichtet – mit Freude gegessen. Lasst uns mit dem Essen spielen. Lindenblätter statt Pappteller!

Manuela Röhken ist Kräuterpädagogin und Fachberaterin zur Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen.

Ganzjährig gibt sie Workshops und veranstaltet Kräuterspaziergänge.

Wenn sie nicht gerade Wildkräuter sammelt, organisiert sie Ausstellungen und Veranstaltungen in der Kunstkate in Kraatz.

Beiträge von Manuela Röhken:

Manuela Röhken, Kräuterpädagogin

https://naturkunstwerk.roehken.de

Kommentare sind geschlossen